Der Verlag für die Deutsche Wirtschaft warnt auf seiner Onlineplattform vnr.de vor dem "Hype Wissensbilanz".
Von einem Hype zu sprechen ist es sicher noch etwas zu früh. Auch wenn die Wissensbilanzierung in Deutschland durch das BMWA gefördert wird, so hat das Thema die meisten Verbände und somit auch die Unternehmen noch gar nicht erreicht.
Leider macht der Autor nicht deutlich, welche Art der Wissensbilanz ihm im Speziellen missfällt. Schließlich gibt es auch in Deutschland verschiedene Ansätze. Zuletzt hat das BMWA die für KMUs tauglichsten Konzepte in Form eines leistungsfähigen und eigenständigen Bilanzierungsleitfaden (Wissensbilanz - Made in Germany) zusammengestellt.
Schwerer wiegt, dass die vorgebrachten Argumente in jedem Fall zu kurz greifen, da sie sich nur an der Oberfläche der Wissensbilanzierung bewegen:
Eine Wissensbilanz macht viel Zusatzarbeit (Daten ermitteln, aufbereiten, zusammenfassen).
Die Datenerfassung für die klassische Bilanz zusammenzutragen macht im Verhältnis ein Vielfaches an Arbeit. Man hat sich nur inzwischen daran gewöhnt - vor allem sicher, weil man den Nutzen sieht. Das Ergebnis hilft schließlich dem Management die eigene Situation einzuschätzen und strategische Entscheidungen zu fällen.
Aber sind wir ehrlich. Viele KMUs würden keine Bilanzen erstellen, wenn sie nicht gesetzlich dazu verpflichtet wären. Ebenso ist vielen der Nutzen von GuVs und betriebswirtschaftlichen Auswertungen nicht klar.
Die Wissensbilanz deckt nun den Bereich des Unternehmens ab, der in der monetären Betrachtung außen vor bleibt. Denn ein funktionierendes Controlling ist zwar ein wichtiger Baustein für den unternehmerischen Erfolg, aber ganz sicher nicht der einzige. Mitarbeiter, organisatorische Strukturen und externe Beziehungen sind die anderen Komponenten (das Intellektuelle Kapital). Diese können unzusammenhängend und punktuell gemanaged werden (was die meisten heute schon machen) oder systematisch mit einer Wissensbilanz.
Manager machen keine halben Sachen. Und doch liefern die finanziellen Daten eines Unternehmen nur die halbe Wahrheit - und diese nur rückblickend, zum Stichtag. Die Wissensbilanz liefert die andere Hälfte der Informationen - vorausschauend, mit Zahlen unterfüttert.
Auf einer solchen vollständigen Datenbasis lassen sich strategische Entscheidungen leichter und besser fällen. Hat man diesen Nutzen erst einmal erkannt, dann klagt auch niemand mehr über den zusätzlichen Aufwand. Dieser liegt im übrigen bei einem Unternehmen mit 300 Mitarbeitern bei ca. 30 Personentagen im ersten Jahr und in den Folgejahren deutlich darunter.
Es gibt keine allgemein gültigen Standards, was die Brauchbarkeit der
Wissensbilanz etwa in der Kommunikation gegenüber der Bank stark
einschränkt.
Wer bedenkt, wie lange schon über allgemein gültige Rechnungslegungsstandards gerungen wird, muss bei einer solchen Aussage schmunzeln. Das Tatsächlich ergibt sich der Hauptnutzen einer Wissensbilanzierung weniger aus dem "Wie" als aus dem "dass". Das gilt auch in der Kommunikation gegenüber der Bank. Jede Bank hat ihren eigenen Kriterienkatalog, nach dem sie die "weichen Faktoren" abklopfen. Wenn Sie einmalig oder besser regelmäßig eine Wissensbilanz erstellen und diese der Bank vorlegen, dann werden Ihre Informationspflichten wahrscheinlich sogar übererfüllen. Diese Art von Offenheit wird sich garantiert positiv auf Kreditvergabe und Kreditkonditionen auswirken.
Jedes Unternehmen kann nach Gusto berichten, Vergleichbarkeit gibt es nicht.
Jedes Unternehmen ist anders, die Wissensbilanzen sind es - im Rahmen der verwendeten Methodik (z.B. BMWA Wissensbilanz) - entsprechend auch. Eine Vergleichbarkeit ergibt sich aber durch Art und Umfang der Präsentation - soweit die Wissensbilanz überhaupt für eine Veröffentlichung gedacht ist.
Für eine statistische Auswertung eigenen sich Wissensbilanzen derzeit nur bedingt. Das liegt aber auch daran, dass der Wert von Einflussfaktoren in jedem Umfeld anders ist und noch zu wenige Unternehmen welche erstellt haben.
Ergebnisse der Wissensbilanz münden in Allgemeinplätzen (Beispiel: "Schulung der Verkäufer verbessert Vertriebsleistung").
Auch eine Wissensbilanz wird die Grundregeln erfolgreicher Unternehmensführung nicht widerlegen oder neu erfinden. Es ist vielmehr so, dass im Prozess der Wissensbilanzierung Strategien und notwenige Maßnahmen auf einer so breiten Basis diskutiert und abgestimmt werden, dass "Allgemeinplätze" wie die Sinnfälligkeit von Schulungen für bestimmte Mitarbeiter nicht nur erkannt werden, sondern auch in einen priorisierten Maßnahmenkatalog münden, der im Unternehmen auf breite Unterstützung hoffen kann. Darüber hinaus wird durch eine regelmäßige Wissensbilanzierung die Wirksamkeit dieser Maßnahmen dokumentiert, was Korrekturen und die effizientere Verwendung von Mitteln ermöglicht.
Sinnvoll ist die Berichterstattung nur in Einzelfällen, beispielsweise
dann, wenn sie strategischen Zwecken dient. Ein wissensintensives
Unternehmen etwa, das auf engen Märkten rekrutiert, kann seine
Wissensbilanz einsetzen, um Werbung für die Qualität seiner
Arbeitsplätze zu machen.
Die Wissensbilanzierung (zumindest die nach BMWA) dient immer strategischen Zwecken. Ob auf Unternehmensebene oder in einer Abteilung. Ob das eigene Unternehmen fit für die Wissensbilanz ist, lässt sich schnell herausfinden.
Ob die Wissensbilanz veröffentlich wird, liegt im Ermessen des jeweiligen Unternehmens. Die Unternehmen, die dies tun, schaffen natürlich mit der demonstrierten Offenheit eine Vertrauensbasis zu existierenden und potentiellen Kunden, Partnern, Lieferanten und Mitarbeitern.
Ob Hype oder nicht, die Wissensbilanzierung und die daraus abgeleiteten Maßnahmen verbessern die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens nachhaltig. Machen Sie mit.
Stefan Weiß, FUTURELAB
Kritik an der Wissensbilanz beinhaltet häufig die begrenzte Vergleichbarkeit der Ergebnisse. Das mag zum einen daran liegen, dass die Bezeichnung Wissensbilanz nicht ganz glücklich gewählt ist und somit Assoziationen weckt und Erwartungen schafft, die d
Aufgenommen: Jul 21, 16:31