Effektives Networking auf Veranstaltungen, an denen viele Menschen teilnehmen, ist meist eine große Herausforderung - für den Einzelnen und für die Veranstalter, deren Veranstaltung oft auch nach der Qualität der zustande gekommenen Kontakte bewertet wird. In der Regel ist es schlicht unmöglich, mit allen anderen Teilnehmern ein paar Worte zu wechseln, um herauszufinden, ob das Gegenüber mit den gleichen Vorstellungen und Zielen gekommen ist.
Für diese Art des social networkings gibt es ausgefeilte
technische Lösungen.
David Wilcox hat aber eine so herrlich einfache und dennoch erfolgreiche
Methode angewandt, die wieder einmal zeigt, dass kreative Problemlösungsansätze den meisten analytischen nicht nur hinsichtlich der Qualität und Breite der Ergebnisse überlegen sind, sondern auch - und gerade dann - sehr effektiv sind, wenn nur wenig Zeit zur Verfügung steht. Das glauben viele erst,
wenn sie es erlebt haben:
Auf einer Veranstaltung der
Foundation for Good Governance galt es, 200 Teilnehmer in 35 Minuten nach gemeinsamen Interessen zu gruppieren und jeweils erste Schritte für weiteres Vorgehen planen zu lassen.

Nach einem Essen, wo die Teilnehmer bereits mit ihren zufälligen Tischnachbarn über die Themen der Konferenz sprechen konnten, wurden alle Teilnehmer aufgefordert, sich einen selbstklebenden Zettel an die Brust zu kleben, auf den sie zuvor mit einem dicken Stift die drei Themen priorisiert (1., 2., 3.) notierten, die sie am meisten interessierten.
Dann wurden die Leute aufgefordert herumzugehen und wenigstens vier Personen zu finden, die zumindest das gleiche Nr.1 Thema haben. Diese Kerngruppe sollte weitere Teilnehmer finden (ggf. auch welche mit ähnlichen Themen), Kontaktdaten austauschen und erste weitere Schritte beraten.

Nachdem sich die ersten Kerngruppen gebildet hatten, wurden diese mit einfachen Fähnchen (bunte Kartons an einem stabilen Strohhalm) ausgestattet, auf sie Ihr gemeinsames Themen schrieben. Binnen 15 Minuten hatten sich einige Gruppen gebildet.
Weitere 20 Minuten später hatten die Gruppenmitglieder auf ihre Fähnchen die Namen und Themen geschrieben, die sie weiter verfolgen wollten, sowie Details zu weiteren Schritten. So z.B. Ideen, Kenntnisse, Modelle auszutauschen; gemeinsam externe Experten einzukaufen; und natürlich Onlinetechniken zu verwenden um den angestoßenen Prozess zu unterstützen.
Der Veranstalter übernahm anschließend die (teilweise mühsame Arbeit) die Notizen auf den Fahnen auszuwerten und den jeweiligen Gruppen zuzusenden bzw. in die Planung für zukünftige Veranstaltungen aufzunehmen.
So waren die Methode nicht nur für die Teilnehmer ein wertvollen Mittel, die richtigen Leute kennen zu lernen und erste vorsichtige Beziehungen zu knüpfen (face-to-face), sondern auch für den Veranstalter, weil er ganz automatisch wertvolles Feedback erhielt und ein wenig in die Kopfe der Teilnehmer blicken durfte.
Ein fantastisches Lehrstück darüber, wie schnell und leistungsfähig selbst-organisierende Gruppen Informationen und in der Folge auch Wissen austauschen können.