Beim Begriff
Wissensbilanz fühlt man sich an das erinnert, was der Philospoph
Alfred North Whitehead "
Fallacy of misplaced concreteness" nannte (Dank an
Charles Savage). Er ist - wie auch der Begriff
Wissenskapital - leider irreführend. Der Begriff Wissensbilanz erzeugt durch seine Bestandteile "Wissen" und "Bilanz" eine Erwartungshaltung, die so nicht erfüllt wird. Tatsächlich erhält man aber etwas anderes, etwas viel wertvolleres: Eine Anleitung zum Erfolg.
Der Begriff Wissensbilanz (für das englische Intellectual Capital Report) ist wahrscheinlich in den ARCs in Seibersdorf - einer Forschungseinrichtung - entstanden. Es wurde angeblich nach einer Form der Berichterstattung (und einem Namen dafür) gesucht, die sowohl die empfindlichen Gefühle der Wissenschaftler als auch die zahlenorientierten Interessen der Finanzkontrolleure befriedigt: Der Begriff Wissens-Bilanz war geboren.
Was im Kontext einer Forschungseinrichtung begrifflich noch akzeptabel ist, wirkt im unternehmerischen Umfeld bestenfalls bemüht. Wer nämlich erwartet, am Ende der Wissensbilanzierung das unternehmerischen Wissen in "Akiva und Passiva" ausgewiesen zu bekommen, wird enttäuscht werden. Es gibt Verfahren, die versuchen vorhandenes Wissen zu monetarisieren, z.B. die Wissensbewertung nach kam.sys. Die Wissensbilanz versucht das nicht.
Während der Wissensbilanzierung wird vielmehr der Einfluss verschiedener Faktoren (aus dem Wissenskapital) auf den Unternehmenserfolg analysiert, bewertet und priorisiert. Auf diese Weise erfährt man individuell für jedes Unternehmen was die wichtigen Erfolgsfaktoren sind, wie sie zusammenwirken und welche Maßnahmen nötig sind, um sie zu stärken.
Die fertige Wissensbilanz ist somit eine Standortbestimmung (Ist) und Handlungsanweisung (Soll) zugleich. Sie ist ein modernes Steuerungsinstrument und ermöglicht zudem bei regelmäßiger Erstellung eine objektive Kontrolle über die Wirksamkeit der eingeleiteten Maßnamen.
Das ist der Grund, warum wir unseren Wissensbilanz-Informationsflyer unter das Thema Erfolg gestellt haben.
Was meinen Sie? Gibt es einen passenderen Namen für die Wissensbilanz? Oder sollte man jetzt damit leben?
Stefan Weiß, FUTURELAB